Praxis-Workshop am 30.06.2022 – „Wie verändert die Pandemie salafistische Radikalisierung und Präventionsarbeit?“

In einem praxisorientierten Fachworkshop am 30. Juni 2022 in Hannover, den das Institut für Islamische
Theologie (IIT) der Universität Osnabrück gemeinsam mit dem Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung sowie der Beratungsstelle beRATen e.V. konzipiert hat, wurden die Hypothese des Wandels vor bzw. während der Pandemie sowie die damit verbundenen Herausforderungen für die Präventionsarbeit aufgezeigt und diskutiert.

Der unter Pandemiebedingungen beschleunigte Strukturwandel beeinflusst auch Radikalisierungsprozesse und das Feld der Prävention. Auch wenn die Pandemie nicht vorüber ist und damit all ihre Folgewirkungen noch nicht gänzlich erfasst werden können, lassen sich in dem ohnehin sehr dynamischen Feld Tendenzen verfolgen, erkennen und möglicherweise auch antizipieren, die sich vorher bereits abzeichneten und nunmehr weiter Fahrt aufnehmen. Neben dem beschleunigten Strukturwandel trägt die Pandemie wahrscheinlich auch zu einer spezifischen Prägung islamistischer Narrative und Verschwörungstheorien bei. Verschwörungsmythen (auch zur Corona-Pandemie) erscheinen als markiges ideologisches Element und sind ein wichtiges Bindeglied zwischen den Gruppen im Islamismus. Zudem bieten sie vielfältige Ansätze zur Rekrutierung neuer Mitglieder, denn die strikte Abgrenzung von der “Mehrheitsgesellschaft” und die vereinfachende Gegenüberstellung von “Gut” und “Böse” sowie “Gläubigen” und “Ungläubigen”, können als Grundlage für Manipulation und Beeinflussung genutzt werden. Auch vermeintlich scheue Akteure der islamistischen Szene schrecken nicht davor zurück, in Sozialen Medien Präventionsakteure aus der Wissenschaft – als vermeintliche Vertreter des Konzeptes eines staatlich gelenkten Islam in Deutschland – öffentlich an den Pranger zu stellen.
Im Workshop wurden diese Beobachtungen – unterstützt durch fachliche Inputs – kritisch diskutiert. Dabei ist thematisiert worden, inwieweit die mit der Corona-Pandemie einhergehenden Entwicklungen neue Ausformungen des Phänomenbereichs darstellen und ob neue Leitlinien und Handlungskonzepte zur Präventionsarbeit erarbeitet werden müssen.

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