Ohne Tiefe – mit Wirkung

Als Brainrot Content bezeichnet man digitale Inhalte, die auf maximale Aufmerksamkeit bei minimalem inhaltlichem Anspruch ausgelegt sind. Häufig sind sie kurz, extrem reizintensiv, stark vereinfacht und folgen immer gleichen Mustern. Zunehmend sind diese Inhalte auch KI-generiert und perfekt optimiert für Klicks, Scrolls und schnelle Belohnung.

Typische Merkmale:

  • endlose Wiederholungen und simple Spiel- oder Erzählmechaniken
  • grelle Effekte, schnelle Schnitte, Dauerbewegung
  • radikale Vereinfachung von Weltbildern
  • Unterhaltung ohne Einordnung, Tiefe oder Widerspruch



Brainrot-Inhalte dienen vor allem der extremen Aufmerksamkeitssuche und der kurzen Ablenkung. Genau diese Mechanismen machen sie anschlussfähig für politische und ideologische Botschaften. Extremistische Akteur:innen nutzen Brainrot Content gezielt, um Hass, Abwertung und Feindbilder beiläufig in den Alltag einzuschleusen – oft humorvoll, ironisch oder scheinbar harmlos verpackt.

Mehr als die Hälfte der Jugendlichen ist bereits mit Hassbotschaften konfrontiert worden. Plattformen wie TikTok spielen dabei eine zentrale Rolle. Brainrot-Mechaniken senken die Aufmerksamkeitsschwelle und erhöhen die Anfälligkeit für einfache Erklärungen, Schuldzuweisungen und Schwarz-Weiß-Denken.

Brainrot Content ist ein Symptom digitaler Aufmerksamkeitsökonomie. Er prägt Sehgewohnheiten, Denkweisen und Erwartungen an Inhalte – besonders bei jungen Menschen. Genau diese veränderten Rezeptionsmuster nutzen extremistische Akteure aus, um Botschaften niedrigschwellig, emotional und scheinbar beiläufig zu platzieren. Prävention setzt deshalb nicht erst bei Ideologien an, sondern schon dort, wo Aufmerksamkeit gesteuert und Denken vereinfacht wird.